Verschiedenblättriges Tausendblatt

Myriophyllum heterophyllum

Das Verschiedenblättrige Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum) ist eine mehrjährige, ursprünglich aus Nordamerika stammende Wasserpflanze, die sich aufgrund ihres Gestaltungseffekts und Robustheit zunächst als Aquarien- und Teichpflanze verbreitet hat. Inzwischen tritt sie in vielen Regionen Europas invasiv auf, darunter auch in Teilen der Schweiz. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit und ihr ausgeprägtes vegetatives Wachstum stellt sie eine ernstzunehmende Bedrohung für heimische Wasserökosysteme dar. M. heterophyllum bildet dichte Bestände, die andere Wasserpflanzen verdrängen, das ökologische Gleichgewicht stören und die Wasserqualität beeinträchtigen. Im Gegensatz zum Brasilianischen Tausendblatt (M. aquaticum) weist diese Art weniger deutlich differenzierte Übergänge zwischen untergetauchten und über Wasser wachsenden Pflanzenteilen auf, und ihre emergenten Blätter sind starrer und stärker strukturiert.

Steckbrief

Informationspflichtig

Lateinischer Name

Myriophyllum heterophyllum

Herkömmlicher Name

Verschiedenblättriges Tausendblatt

Synonyme

Myriophyllum pinnatum, M. scabratum, M. hippuroides, M. propinquum, M. teberculum, M. aquaticum, M. simulans. M. hippuroides, Potamogeton verticillatum

Herkunft

Nordamerika

Familie

Haloragaceae (Tausendblattgewächse)

Habitus

Wasserpflanze

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Biologie der Verschiedenblättriges Tausendblatt

Pflanzenstruktur und Blätter

Das Verschiedenblättrige Tausendblatt ist durch seine charakteristischen, jedoch variablen Blattformen bekannt. Die untergetauchten Blätter sind fiederteilig und quirlständig, wobei die Anzahl der Blattfiedern stark variieren kann. Die Blätter sind etwa 2–6 cm lang, grün bis dunkelgrün gefärbt und weicher als die emergenten Triebe. Diese können bis zu 30 cm aus dem Wasser ragen und sind deutlich kräftiger, ledrig bis starr und besitzen eine andere Struktur als die submersen Blätter – daher auch der Name „Verschiedenblättrig“. Die Pflanze wächst sowohl aufrecht als auch bodendeckend und kann durch Ausläufer mehrere Meter lange, dichte Matten bilden. Im Unterschied zu M. aquaticum, bei dem die Trennung zwischen untergetauchten und emergenten Pflanzenteilen deutlich sichtbar ist, verläuft dieser Übergang bei M. heterophyllum fliessender.

Blüten und Früchte

M. heterophyllum bildet eingeschlechtliche Blüten, wobei sowohl weibliche als auch männliche Blüten auftreten können. Die Blüten sind klein, rötlich gefärbt und erscheinen in den Blattachseln. Die Blütezeit ist Juli bis September, die Samen werden im Ursprungsgebiet von Vögeln verbreiten. In Europa kommt die generative Vermehrung jedoch nicht vor, womit es auch nicht zur Fruchtbildung kommt.

Vermehrung und Ausbreitung

Die hauptsächliche Ausbreitungsform ist die vegetative Vermehrung durch Längenwachstum und über abgebrochene Pflanzenteile, die sich an geeigneten Stellen neu bewurzeln. Bereits kurze Stängelfragmente mit Knoten reichen zur Etablierung einer neuen Pflanze aus. Diese Verbreitung wird durch menschliche Aktivitäten wie Wassersport, Fischerei oder Pflegearbeiten in Gewässern unbeabsichtigt gefördert. Im Vergleich zu M. aquaticum ist M. heterophyllum etwas robuster gegenüber kühleren Temperaturen und toleriert ein breiteres Spektrum an Standorten.

Regenerationsfähigkeit

Die Pflanze regeneriert sich extrem schnell. Kleinste Pflanzenreste mit Nodien genügen, um neue Kolonien zu bilden. Auch scheinbar abgestorbene Teile können bei Feuchtigkeit erneut austreiben. Dies erschwert die Bekämpfung erheblich und erfordert konsequente Entfernung aller Pflanzenteile.

Invasivität und Bedrohung

Warum ist die Verschiedenblättriges Tausendblatt invasiv?

Die Invasivität der Pflanze zeichnet sich durch das schnelle Wachstum, die effiziente vegetative Ausbreitung und die hohe Regenerationsfähigkeit aus. Diese drei Eigenschaften erlauben es ihr, einheimische Arten zu verdrängen und Monokulturen zu schaffen. Die Art verändert die Lichtverhältnisse im Wasser, schränkt die Lebensräume anderer Arten ein und bleibt durch ihre hohe Beharrlichkeit auch nach Eingriffsmassnahmen oft erhalten.

Ökologische Auswirkungen

Die Tausendblätter verdrängen durch ihr schnelles Wachstum einheimischen Wasserpflanzenarten stark, dazu kommt noch, dass ihre dichten Bestände mit deren hohen Deckungsgrad (bis zu 100%) eine Lichtverknappung unter Wasser herbeiführen, wodurch andere submerse Pflanzen kaum überleben können. Gleichzeitig wird der Sauerstoffgehalt verringert und der pH-Wert des Wassers erhöht, was sich negativ auf Fische, Insektenlarven, Amphibien und Mikroorganismen auswirkt. Die eingeschränkte Wasserzirkulation verstärkt diese Eutrophierung.

Gesundheitliche Auswirkungen

Toxische Wirkungen auf Menschen sind nicht bekannt. Die Einschränkung der Wasserqualität kann aber indirekte gesundheitliche Folgen haben, etwa durch Mückenvermehrung oder Reduktion der Wasserqualität.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die dichten Pflanzenmassen verstopfen Wasserläufe, behindern die Wasserversorgung, die Schifffahrt sowie Freizeitaktivitäten. Die Instandhaltung von Gewässerinfrastruktur wird viel teurer. Auch in der Landwirtschaft kann die Entnahme von Wasser aus Kanälen beeinträchtigt werden. Es entstehen hohe Kosten durch regelmässige Entfernung, Monitoring und Renaturierungsversuche. Im Unterschied zu M. aquaticum, das in erster Linie stehende Gewässer stark beeinflusst, kann M. heterophyllum auch in langsam fliessenden Gewässern wirtschaftlich problematisch werden.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz wurde das Verschiedenblättrige Tausendblatt bislang nur vereinzelt nachgewiesen, insbesondere im Mitteland wie z.B. im Kanton Zürich und in künstlichen Wasserläufen. Ähnlich wie bei M. aquaticum stammen die meisten Einträge aus nicht natürlichen Gewässern. Aufgrund der ähnlichen Lebensweise wird die Art als potenziell invasiver Neophyt eingestuft. Dazu kommt, dass die Art in Nachbarländer der Schweiz bereits stark verbreitet ist, was die Ausbreitung in die Schweiz wahrscheinlicher macht. Der Klimawandel könnte auch hier die Ausbreitung in höhere Lagen begünstigen. Die Toleranz gegenüber Temperaturveränderungen macht M. heterophyllum zu einer besonders anpassungsfähigen Art.

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Massnahmen und Bekämpfung

  • Manuelles Entfernen: Kleinere Vorkommen sollten komplett, inklusive Wurzeln, entfernt werden. Vorsicht vor Verbreitung durch abgebrochene Stücke.
  • Abmähen und Absaugen: Nur sinnvoll bei gleichzeitigem Absammeln der Pflanzenreste.
  • Fischbesatz: Graskarpfen sind teilweise geeignet, fressen die Pflanze aber nur bedingt, der hohe Tanningehalt reduziert die Attraktivität. Experimente mit Fischen werden schnell unkontrolliert und sind stark reguliert.
  • Herbizideinsatz: Aufgrund der ökologischen Risiken nur als absolute Ausnahme zulässig.

Präventive Massnahmen

  • Keine Entsorgung von Aquarien- oder Teichpflanzen in Gewässern
  • Reinigung von Ausrüstung nach Gebrauch in betroffenen Gewässern
  • Aufklärung von Handelsstellen und Privatpersonen über das invasive Potenzial
  • Einschränkung von Import und Verkauf, Förderung von Alternativpflanzen aus einheimischer Flora

Sorgfältige Entsorgung

Pflanzenreste müssen luftdicht verpackt über den Grünabfall oder durch Verbrennung entsorgt werden. Eine Zwischenlagerung am Ufer oder im Kompost birgt das Risiko der Wiederbewurzelung.

Langfristige Kontrolle

Die Bekämpfung muss systematisch und über mehrere Jahre erfolgen. Dazu gehören regelmässige Nachkontrollen, Entfernung neu gebildeter Bestände und – sofern möglich – die Wiederherstellung naturnaher Wasserpflanzengesellschaften.

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Bildquelle:

Beitragsbild: Leslie J. Mehrhoff, University of Connecticut, Bugwood.org, CC BY 3.0 US, via Wikimedia Commons

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