
Steckbrief

Lateinischer Name
Myriophyllum aquaticum
Herkömmlicher Name
Brasilianisches Tausendblatt
Synonyme
Myriophyllum brasiliense, Myriophyllum proserpinacoides, Enydria aquatica, Papageienfeder
Herkunft
Südamerika
Familie
Haloragaceae (Tausendblattgewächse)
Habitus
Wasserpflanze
Nicht sicher, ob es sich um diese Pflanze handelt?
Neophtyen Hotline
Schick uns ein Foto auf WhatsApp und ein Experte gibt dir die Antwort.
Biologie der Brasilianisches Tausendblatt
Pflanzenstruktur und Blätter
Das Brasilianische Tausendblatt zeigt eine charakteristische Trennung zwischen submersen (untergetauchten) und emergenten (aus dem Wasser ragenden) Pflanzenteilen. Die untergetauchten Blätter sind wechselständig angeordnet, fiederteilig und erscheinen in Quirlen von vier bis sechs Blattspreiten um den Stängel. Diese Blätter sind meist 2–5 cm lang, hellgrün bis bläulich-grün und sehr zart. Die über Wasser wachsenden Triebe können bis zu 40 cm über die Wasseroberfläche hinausragen. Die emergenten Blätter sind fester, ledriger und haben kürzere Abstände – ein Merkmal, das M. aquaticum von M. heterophyllum unterscheidet, bei dem die Übergänge zwischen submersen und emergenten Blättern weniger deutlich und Letztere deutlich starrer sind. Der Wuchs der Pflanze ist aufrecht oder teppichartig; sie kann mehrere Meter lange Triebe entwickeln und dichte, fast undurchdringliche Bestände bilden.
Blüten und Früchte
M. aquaticum bildet eingeschlechtliche Blüten, wobei in Europa ausschliesslich weibliche Pflanzen vorkommen. Die unscheinbaren, weisslichen oder grünlichen Blüten sind sehr klein und stehen einzeln oder in kleinen Gruppen in den Blattachseln der aus dem Wasser ragenden Sprosse. Eine generative Vermehrung über Samen ist in Mitteleuropa nicht dokumentiert, da männliche Pflanzen fehlen, Blüten werden allerdings ab und zu beobachtet.
Vermehrung und Ausbreitung
Die Vermehrung erfolgt in der Schweiz ausschliesslich vegetativ. Bereits kleinste Bruchstücke des Stängels – etwa durch Bootsverkehr, Mäharbeiten oder Strömung abgetrennt – können sich an neuen Standorten ansiedeln, wenn sie einen Knoten besitzen. Die Sprosse bewurzeln sich schnell erneut, vor allem in flachen, warmen und nährstoffreichen Gewässern.
Regenerationsfähigkeit
Die Pflanze weist eine extrem hohe Regenerationsfähigkeit auf. Bruchstücke von wenigen Zentimetern reichen oft aus, um neue Pflanzen zu etablieren. Dies macht die Bekämpfung besonders schwierig, da jede mechanische Störung zu einer unfreiwilligen Weiterverbreitung führen kann. Selbst eingetrocknete Pflanzenteilen können nach kurzer Zeit in feuchter Umgebung wieder austreiben.
Invasivität und Bedrohung
Warum ist die Brasilianisches Tausendblatt invasiv?
Durch ihr schnelles Wachstum und die rein vegetative Vermehrung kann die Art binnen kurzer Zeit dichte Monokulturen bilden. Diese Bestände verdrängen heimische Wasserpflanzen und verringern die Biodiversität. Dank der hohen Regenerationsfähigkeit und der Veränderung des ökologischen Gleichgewichts verschwindet die Art auch nach gewisser Zeit nicht wieder und befallene Gebiete werden langfristig übernommen.
Ökologische Auswirkungen
In dichten Beständen kann die Ausbreitung invasiver, konkurrenzstarker Wasserpflanzen wie die Tausendblätter zur Verdrängung heimischer Arten führen, da sie durch ihr starkes Wachstum und Ausbreitungsfähigkeit das Wachstum anderer Wasserpflanzen stark behindern. Gleichzeitig kann es, einerseits durch die nächtliche Atmung der üppigen Biomasse und das Fehlen einer natürlichen Durchmischung und andererseits durch den hohen Deckungsgrad von M. aquaticum, insbesondere in stehenden Gewässern, zu Sauerstoffmangel kommen. Dies wirkt sich negativ auf viele Organismen aus: Kleintiere, Fische und Amphibien verlieren ihre angestammten Lebensräume oder finden keine ausreichende Nahrung mehr. Hinzu kommt eine Veränderung der Wasserchemie und eine Eutrophierung von betroffenen Gewässern, da die Pflanzen grosse Mengen organischen Materials anreichern, was die Sedimentation und Eutrophierung begünstigt. Der hohe Deckungsgrad hat weitere Nachteile, zum Beispiel sorgt er dafür, dass viel weniger Licht ins Wasser kommt, was zur Folge hat, dass viele andere submerse Wasserpflanzen weder wachsen noch sich fortpflanzen können.
Gesundheitliche Auswirkungen
Es sind keine direkten toxischen Wirkungen für Menschen bekannt. Jedoch können verstopfte Wasserläufe oder beeinträchtigte Badegewässer zu gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere durch schlechtere Wasserqualität. Des Weiteren bietet die Art für bestimmte Mückenarten einen guten Lebensraum.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Dichte Pflanzenteppiche in Gewässern können die Fliessgeschwindigkeit von Gewässern sowie auch die Wasserversorgung erheblich beeinträchtigen, indem sie Kanäle und Entnahmestellen verstopfen. Auch Fischerei und Tourismus leiden unter den negativen Auswirkungen auf Fischbestände und Wasserqualität, zum Beispiel durch Behinderung der Schiffahrt, was sich nicht zuletzt wirtschaftlich bemerkbar macht. Zusätzlich entstehen durch regelmässige Räumarbeiten, die Reinigung von Pumpenanlagen, Entschlammung und kontinuierliches Monitoring erhebliche Pflegekosten.
Situation in der Schweiz
In der Schweiz ist die Art in einigen tiefer gelegenen Regionen nachgewiesen worden, insbesondere in künstlichen Gewässern, nahe von Siedlungen, in Rückhaltebecken und Gräben. Somit ist es wahrscheinlich, dass die Bestände in der Schweiz aus Aquarien oder angelegten Teichen stammen. Die Art ist als potenziell invasiver Neophyt gelistet und unterliegt je nach Kanton verschiedenen Auflagen zur Bekämpfung oder Eindämmung. Insbesondere in warmen Sommern kann die Pflanze explosionsartig wachsen und neue Areale erschliessen. In der Schweiz ist die Pflanze in natürlichen Gewässern noch relativ selten, aber eine weitere Ausbreitung – begünstigt durch den Klimawandel – ist nicht auszuschliessen.
Massnahmen und Bekämpfung
- Manuelles Entfernen: In kleinen Beständen oder in künstlichen Gewässern können Pflanzen von Hand entfernt werden. Wichtig ist die vollständige Entfernung, insbesondere der Wurzelteile und abgebrochenen Stängelfragmenten.
- Abmähen und Absaugen: In grösseren Beständen ist der Einsatz von Mähbooten möglich. Dabei muss auf eine vollständige Aufnahme der Pflanzenreste geachtet werden.
- Beweidung durch Fische: In warmen Regionen wurden Versuche mit Pflanzenfressern wie dem Graskarpfen unternommen. Fische mögen die Pflanze aber nicht wirklich, dafür ist deren Tanningehalt zu hoch. Diese Methode ist ökologisch hochproblematisch und in der Schweiz rechtlich stark eingeschränkt.
- Herbizideinsatz: Nur in Ausnahmefällen und unter strengen gesetzlichen Auflagen erlaubt, da negative Effekte auf das gesamte Gewässerökosystem zu erwarten sind.
Präventive Massnahmen
- Keine Entsorgung von Aquarienpflanzen in natürliche Gewässer Kontrolle von Geräten, die im Gewässer benutzt werden, zum Beispiel Wassersportausrüstung und Boote
- Öffentlichkeitsarbeit: Aufklärung von Gartenteichbesitzern, Gärtnereien und Aquarienfreunden über die invasive Natur des Brasilianischen Tausendblatts
- Kontrolle von Import und Handel: Verbot oder Einschränkung des Verkaufs potenziell invasiver Arten, Förderung von einheimischen Wasserpflanzen
Sorgfältige Entsorgung
Alle Pflanzenreste müssen aus dem Gewässer entfernt und sicher entsorgt werden (z. B. über Grünabfuhr oder Verbrennung). Eine Lagerung auf Kompost oder am Ufer ist ungeeignet, da eine Wiederbewurzelung wahrscheinlich ist, sollten Fragmente in Kontakt mit Wasser kommen.
Langfristige Kontrolle
Eine mehrjährige, kontinuierliche Bekämpfung ist erforderlich. Dazu gehören regelmässige Nachkontrollen, insbesondere im Frühjahr und Spätsommer. Um nachhaltig befallene Ökosysteme zu schützen, sollte eine Wiederansiedlung heimischer Wasserpflanzen gefördert werden.
Bildquelle:
Beitragsbild: André Karwath aka Aka, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons



